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eines suburethralen Bandes oder Injek- Maßnahmen wie die Vermittlung von häufig Gelegenheiten, bei denen PE
tionstherapien mit sogenannten mini- Kontinenzstrategien, die Beratung SKW behutsam auf Symptome der
malinvasiven „Bulking Agents“ in über Hilfsmittel sowie Hinweise auf koitalen Inkontinenz eingehen können.
Betracht. Diese Verfahren erfolgen aus- geeignete Fachstellen gehören zu den Voraussetzung dafür ist eine bewusste
schließlich ärztlich indiziert und nach grundlegenden Aufgaben in der pfle- Haltung gegenüber sexueller Gesund-
sorgfältiger Abwägung. Dabei handelt gerischen Betreuung im Kontext der heit sowie die Fähigkeit, feinfühlig mit
es sich um ein Injektionsverfahren mit Kontinenzförderung von Betroffenen den Patientinnen zu kommunizieren.
einer Spezialnadel im Schließmuskel- durch die PE SKW. Dabei ist eine wert- Dies kann im Zusammenhang mit
bereich der Harnröhre unter die schätzende Kommunikation entschei- intimen Beschwerden, wie dem Inkon-
Schleimhaut (Deutsche Kontinenz dend, um eine vertrauensvolle Ge- tinenzleiden im sexuellen Kontext,
Gesellschaft, o.J.). sprächsbasis im Zusammenhang mit zur Öffnung der Betroffenen beitragen
der Diagnostik mit Blick auf psychoso- und so zu wertvollen Erkenntnissen
Sexualtherapie/Verhaltens- ziale Folgen zu schaffen. führen (I care Pflege, 2015, S. 126-129).
therapie
Aufgaben der PE SKW in der Im klinischen Alltag ergeben sich In-
Sexualtherapeutische Interventionen Prävention und Aufklärung terventionsebenen insbesondere bei
fördern eine lösungsorientierte Ausein- der Kontinenzförderung, der Wund-
andersetzung mit Schamgefühlen und Die Diagnostik der koitalen Inkonti- versorgung im Intimbereich sowie der
partnerschaftlichen Schwierigkeiten, nenz stellt nicht nur hohe fachliche sexualmedizinischen Anamnese. PE
die in Folge einer koitalen Inkontinenz Anforderungen, sondern verlangt auch SKW nutzen hierbei standardisierte
entstehen können. Hierdurch ausgelös- ein ausgeprägtes Maß an kommunika- Tools wie Miktionstagebücher oder
tes Rückzugs- und Vermeidungsverhal- tiver Kompetenz, Empathie und inter- Kontinenzprofile, um gemeinsam mit
ten und damit verbundene verminder- disziplinärer Zusammenarbeit. Die Betroffenen realistische Therapieziele
te sexuelle Appetenz können hier offen besondere Herausforderung besteht zu definieren (I care Pflege 2015, S.
reflektiert werden. Sie können in Einzel- darin, dass die betroffenen Frauen ihre 391). Ein praxisnahes Instrument zur
oder Paargesprächen erfolgen und be- Beschwerden selten von sich aus be- Gesprächserleichterung stellt der
inhalten mitunter auch körperbezoge- richten. Gerade deshalb kommt PE International Female Coital Inconti-
ne Übungen, die die Selbstwahrneh- SKW eine zentrale Rolle zu, indem nence Questionnaire (IFCI-Q) dar, um
mung stärken (Ahrendt, Friedrich, S. durch geschulte Umgangs- und Ge- Symptome der koitalen Inkontinenz
202-214). Verhaltenstherapeutische An- sprächsführung, gezielte Aufklärung systematisch zu erfassen. PE SKW kön-
©FgSKW
sätze helfen Patientinnen, ihre Wahr- und präventive Beratung ein wichtiger nen hier als erste Ansprechpersonen
nehmung für blasenassoziierte Signale Beitrag zur Enttabuisierung und zur fungieren, Fragebögen austeilen,
zu schulen und konkrete Bewältigungs- Verbesserung der Versorgungslage erklären und die Ergebnisse in Rück-
strategien zu entwickeln. Hilfreiche Un- geleistet wird. sprache mit dem interdisziplinären
terstützung können hierbei sein (I care Team evaluieren.
Pflege, 2015, S. 391-392): Beratung und Aufklärung
Neben der Gesprächsführung und
• Miktionstagebücher/-protokolle zur Die Beratung und Aufklärung bei koita- Anwendung strukturierter Instrumente
Erfassung des Miktionsverhaltens ler Inkontinenz stellt eine anspruchs- gehört die Bereitstellung von zielgrup-
• Kontinenzpläne zur Strukturierung volle Aufgabe für spezialisierte Pflege- pengerechtem Informationsmaterial
von Trink- und Toilettengewohnhei- fachpersonen dar. Wie vorangegangen zu den grundlegenden Aufgaben der
ten dargelegt, berichten betroffene Frauen pflegerischen Aufklärungsarbeit. Flyer,
• Toilettentraining, das durch regelmä- aufgrund von Angst vor Stigmatisie- Broschüren oder digitale Formate wie
ßige Entleerungszeiten die Kontrolle rung, Scham oder Unwissenheit nur QR-Codes zu hilfreichen Beratungsstel-
unterstützt selten eigeninitiativ über entsprechen- len, Videos oder seriöse Webseiten zu
• Triggeranalyse (z.B. Stress oder be- de Beschwerden. Umso entscheiden- Institutionen, die sich für an Inkonti-
stimmte Bewegungen) der ist die Fähigkeit der PE SKW, eine nenz Leidende einsetzen, sollten ver-
vertrauensvolle Gesprächsbasis zu ständlich, wertfrei und niedrigschwel-
Frühe pflegerische Interventionen schaffen und gezielt sowie einfühlsam lig zugänglich gemacht werden.
und Sensibilisierung auf die Thematik einzugehen. Im Mit- Besonders hilfreich ist die Kombination
telpunkt stehen dabei nicht nur kör- aus allgemeiner Aufklärung und indivi-
Erste Hinweise auf präventive Maßnah- perliche, sondern ebenso psychosexu- dualisierten Beratungsmöglichkeiten.
men finden sich bereits im pflegeri- elle und soziale Faktoren. Diese Darüber hinaus ist die Förderung der
schen Alltag, da Pflegeexperten Stoma, Aspekte sind in einem umfassenden Selbstwirksamkeit von betroffenen
Kontinenz und Wunde (PE SKW) durch Pflegeverständnis unverzichtbar, wes- Frauen ein zentrales Ziel pflegerischer
gezielte Gesprächsführung, sensible halb dahingehend spezialisierte PE Beratung (I care Pflege, 2015, S. 110).
Beobachtung und frühzeitige Informa- SKW erforderlich sind, die auf die Ver- Pflegefachpersonen können Ressour-
tion zur Entlastung betroffener Frauen sorgung von Menschen mit intimen cen aktivieren, zum Beispiel durch
beitragen können. Sie leisten damit Gesundheitsproblemen ausgerichtet Anleitung zu Beckenbodenübungen,
einen wichtigen Beitrag, um Schamge- sind. Gerade im pflegerischen Alltag, Hinweise auf gesundheitsförderliche
fühle zu reduzieren und das Bewusst- in Pflegegesprächen oder im Rahmen Lebensführung oder die Vermittlung
sein für Hilfsangebote zu stärken. von Beratungsleistungen ergeben sich an Selbsthilfegruppen.
Das Thema Nr. 99 · 12/2025 9

